In München gibt es nur Bonzen! Stuttgart besteht doch nur aus Betonklötzen! Hamburger sind Fischköpfe! In Berlin gibt es nur Hipster!
Städterassisten, haltet die Fresse!

Klischees

In München gibt es nur Bonzen! Stuttgart besteht doch nur aus Betonklötzen! Hamburger sind Fischköpfe! In Berlin gibt es nur Hipster!
Herzlichen Willkommen in der Welt der Vorurteile und Klischees. Von Nazi-Dresden bis zum schwulen Köln, jede Stadt wird von mindestens einem Klischee begleitet. In jedem Vorurteil steckt ja auch ein Funken Wahrheit. Unbestritten ist München die teuerste Stadt Deutschlands, Stuttgart vom Krieg zerstört. Ohne Frage spielt Fisch auf dem Ernährungsplan der Hamburger Bewohner eine größere Rolle als in den Alpen und das Flair Berlins zieht möchtegern Alternative Menschen an. Wie gesagt, hinter jedem Klischee steckt ein bisschen Wahrheit. Vorurteile und Klischees existieren, genauso wie die Menschen, die fleißig an der Verbreitung dieser arbeiten.

Städterassismus – Eine Definition

Schlimm wird es allerdings dann, wenn eben diese Leute gar nicht wissen, wovon sie reden. Woher möchte denn jemand mit Sicherheit sagen können, dass in Stuttgart nur Betonklötze stehen, wenn er niemals dort gewesen ist? Woher will man wissen, dass in München nur Bonzen wohnen, die Menschen vor Ort nicht kennengelernt hat?

Städterassist – Eine Person, die Vorurteile u. Klischees gg. eine Stadt o. deren Bewohner hat u. verbreitet, ohne die Stadt o. deren Bewohner kennengelernt zu haben u. ohne das Vorurteil begründen zu können.

Städterassisten kommen überall vor. Unter Hauptschulabgängern genauso, wie unter Studenten und Akademikern. Und das obwohl man von Zweiteren wohl eine gewissen Rationalität und Objektivität erwarten kann und muss. Das schlimmste Beispiel ist mir allerdings mit einer Akademikerin mit außereuropäischer Herkunft untergekommen: Obwohl sie selbst von rassistischen Aussprüchen nicht verschont bleibt und sich trotzdem bestens integrieren konnte, betreibt sie einen hartnäckigen Städterassismus. Gerade bei einem solchen Hintergrund sollte doch Sensibilität für das Thema Rassismus vorhanden sein.

Ein Plädoyer für Offenheit

Dabei ist der Begriff Rassismus in diese Zusammenhang gar nicht so eng zu sehen, wie in anderen. Es bleibt jedem selbst überlassen eine Stadt sympathisch, schön oder lebenswert oder eben gerade nicht zu finden. Aber um dafür ein Gefühl zu bekommen, ist es alternativlos eine Stadt selbst besucht zu haben und sich so sein eigenes Bild dieser Stadt machen zu können. Ich kann mir von der Ästhetik einer Stadt doch nur ein Bild machen, wenn ich sie persönlich gesehen habe. Ich kann die Menschen doch nur dann einschätzen, wenn ich mit ihnen gesprochen haben. Und bevor ich die Möglichkeit dazu hatte, darf ich nicht über die Stadt oder ihre Bewohner urteilen.

Und was heißt das jetzt für mich?

Schön und gut, das ganze Gerede von Offenheit und Rassismus. Jetzt bleibt nur eines zu tun: Nächstes Wochenende halt doch mal den Kumpel aus Schultagen besuchen, der seit Ewigkeiten in Hamburg wohnt und dort alles und jeden kennt. Denn wie es schon Oscar Wilde sagte: „Reisen veredelt den Geist und räumt mit unseren Vorurteilen auf.“

Knackige Sätze über den Autor:
Oliver Schwamb findet jede Stadt ist wie ein Bart: Wenn man lang genug sucht, findet man die richtigen Stellen.

 

Foto: flickr/Sapperlott
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